Pädagogisches Hörtraining
(nach den Grundlagen von A. Tomatis)
Ein ausführliches Vorgespräch und ein auf die Methode zugeschnittener Hörtest sind die Grundlagen einer Behandlung.
Beim Hörtraining werden im Prinzip die wichtigen Entwicklungsschritte der Hörwahrnehmung, und damit auch der psychischen Entwicklung, nachvollzogen.
Das Ohr des Fetus im Mutterleib ist ein „Wasser-Ohr“. Es nimmt die Töne durch das Fruchtwasser, über die Wirbelsäule und das Becken der Mutter und den eigenen Knochen gefiltert wahr, mit einer Bevorzugung der hohen Frequenzen. Erst nach der Geburt vollzieht sich die Umwandlung zum „Luft-Ohr““ mit der Luft als Übertragungsmedium.
In den ersten Trainingsphasen hört man über Spezialkopfhörer nach einem individuellen Programm elektronisch veränderte Musik von Mozart und dann eine Kassettenaufnahme der Stimme der eigenen Mutter, so wie man sie im Mutterleib wahrgenommen hat.
Kinder und Erwachsene können währenddessen spielen, kreativ gestalten, träumen, schlafen. Nach einer „akustischen Geburt“ folgen aktive Behandlungsabschnitte. Man liest, summt oder singt in ein Mikrofon und hört seine eigene Stimme auf eine elektronisch korrigierte, „ideale“ Art und Weise.
Der starke „Input“ des gefilterten Hörens drängt nach einem Ausdruck: Viele fühlen sich vom Malen angeregt. Bei anderen intensiviert sich Traumerinnerung oder Körperwahrnehmung. Erinnerungen aus früheren Lebensabschnitten sind zugänglicher und das assoziative Denken ist erleichtert. Ein psychischer Entwicklungsprozess wird ausgelöst. Die Behandlungsergebnisse werden zudem durch regelmäßige Kontrollhörtests überprüft.
Anwendungsgebiete des pädagogischen Hörtrainings
In Abhängigkeit von der Erstuntersuchung und dem psychologischen Hörtest kann ein Hörtraining empfehlenswert sein:
bei Kindern
- mit Entwicklungsverzögerungen im motorischen, sprachlichen oder psychischen Bereich gerade auch bei Frühgeborenen, nach Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen
- mit Schulschwierigkeiten, insbesondere Lese – Rechtschreibschwäche, Konzentrationsstörungen
- mit auditiven Wahrnehmungsstörungen / zentraler Fehlhörigkeit
- mit Hyperkinetischem Syndrom, Hyperaktivität
- mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
- mit Verhaltensauffälligkeiten wie emotionale Hemmung, Ängstlichkeit, Aggressivität bis hin zu autistischen Verhaltensweisen
- mit organische Behinderungen, insbesondere Down-Syndrom und cerebralen Schäden
bei Erwachsenen
- mit Befindensstörungen: Depression, psychische Erschöpfungszustände, Angstzustände
- mit psychosomatischen Problemen: u.a. Schlafstörungen, Verspannungen der Wirbelsäulenmuskulatur
- als Ergänzung bzw. Erweiterung einer tiefenpsychologischen oder tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie
- zur Selbsterfahrung
- mit Tinnitus (selten eine Heilung aber häufig eine deutliche Symptomverbesserung)
- als Rehabilitation nach Hörsturz und nach Schlaganfall
- zur Geburtsvorbereitung (es wird eine Verkürzung der Geburtsdauer erreicht)
- zur Verbesserung von Stimme und Gesang




